Cyberscience
Januar 27, 2008
..ist nicht der Titel einer neuen Sci-Fi-Fernsehserie, sondern ein Begriff für die intensivierte Beziehung zwischen Wissenschaft und (Informations)Technologie. Auf letztere verlassen sich neben den mathematischen Disziplinen immer mehr auch die Geisteswissenschaften, was zu einem essentiellen Umbruch im akademischen Bereich führt.
So zumindest Michael Nentwich, Direktor des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Was diesen Wandel ausmacht, wie umwälzend er für die Wissenschaftsorganisation wirklich ist und wie die einzelnen Akteure im wissenschaftlichen Kommunikationsgefüge positioniert sind bzw. sein werden, werden wir am Dienstag vorstellen und anschließend mit euch besprechen.
Sarah, Max und Dimitar
Ein interessantes Thema, ich bin gespannt auf die Sitzung. Gestern gab es in der SZ einen Artikel zum Thema Internet-Vorlesungen – wer sich dafür interessiert, findet ihn hier.
Der Beitrag in der Süddeutschen („Das Wohnzimmer als Hörsaal“), auf den Herr Schnitzler verweist, orientiert sich an einem inzwischen veralteten E-Learning Konzept, das man als Distritbutionskonzept bezeichnen kann. Neuere Formen, wie die Nutzung von Web 2.0-Anwendungen in der Hochsschullehre, werden überhaupt nicht thematisiert. Gerade das Kooperationsmodell aber bietet weitergehende Möglichkeiten des Lehrens und Lernens, wie wir sie ja auch mit diesem Blog umzusetzen versuchen. Nicht das „Wohnzimmer als Hörsaal“ ist angesagt, sondern der „Hösaal als Forum“ müßte zum Leitmodell werden.
Die Qualitität der Artikel in der Süddeutschen lässt im Allgemeinen zu wünschen übrig, wie ich finde, wenn es um das Thema netzwerkbasierte Kommunikation rund ums Web2.0 geht. Die Potentiale und konvergenten Effekte des Netzuniversums für die Lehre, ein Medienhaus oder geschweige denn für den Journalismus haben die SZ-Medienmacher entweder noch nicht ganz erkannt (was ich bezweifle, denn ich unterstelle mal, dass dort gut ausgebildete und schlaue Redakteure am Werk sind) oder allerdings, was fast noch schlimmer ist, dort wird eine Entwicklung verschlafen, was in nicht allzuferner Zukunft verheerende Konsequenzen nicht zu letzt für die Existenz dieses und anderer in altbewährten Denkstrukturen verhafteter Medienhäuser haben könnte.
@Johannes:
Du hast wohl Recht mit deiner Diagnose. Ich fürchte, sie trifft nicht nur auf die SZ zu, sondern ließe sich so für die meisten Zeitungen in Deutschland stellen. Da kann man ja schon fast froh sein, dass ein Thema wie E-Learning überhaupt angepackt wird, wenn auch nicht ganz up-to-date.
1) eine Frage an Herrn Bucher: In dem Artikel habe ich es allerdings so verstanden, dass die „Wohnzimmer-Vorlesung“ an manchen Universitäten (immer noch) praktiziert wird. Wenn ich richtig informiert bin – zumindest finde ich nichts bei Stud.IP – wird Ihre Vorlesung in diesem Semester nicht aufgezeichnet, ist dies eine Ausnahme oder wird dies auch in den kommenden Semestern nicht mehr gemacht?
2) zu Johannes und Michael: Was die SZ (aber, hier auch Michael zustimmend) und auch andere Zeitungen angeht, denke ich auch, dass Artikel zu Web 2.0 u.s.w. häufig doch recht dürftig ausfallen. Zwar zweifle ich ebenso wenig wie du (Johannes), daran, dass die Redakteure gerade der überregionalen Tageszeitungen gut ausgebildet sind; anders als du bin ich mir jedoch nicht so sicher, ob die Potenziale der Netzwerkkommunikation wirklich von allen so ganz erkannt wurden und werden..Dafür stecken m.E. viele „Zeitungsmacher“ einfach nicht tief genug in der Materie drin, sondern beobachten das Geschehen noch zu sehr von außen.