In der bisher umfangreichsten Studie zu wikipedia Deutschland (durchgeführt für den Stern, der morgen erscheint) schneidet die digitale Enzyklopädie laut Spiegel-Online besser ab als das etablierte Nachschlagewerk Brockhaus. Die Durchschnitssnote 50 zufällig ausgewählter Artikel verschiedener Fachbereiche war bei wikipedia eine beachtliche 1,7. Die Brockhaus Einträge zu den gleichen Themen erhielten dagegen nur eine 2,7. Nicht nur in der Kategorie Aktualität, sondern auch bei der Richtigkeit hatten die wikipedianer klar die Nase vorn. Verantwortlich für die Studie ist übrigens das Recherche-Institut „Wissenschaftlicher Informationsdienst Köln“ (WIND). Die kollaborativen Kontrollmechanismen des wiki-Netzwerks scheinen besser zu funktionieren als die redaktionellen Bearbeitungsprozesse beim guten alten Brockhaus. Also Herr Bucher, kann wikipedia jetzt auch ohne das Kriterium des verantortlichen Verfassers bei Ihnen zitierfähig werden, oder muss noch weitere Überzeugungsarbeit geleistet werden ;-)

Roman Lehberger

9 Antworten zu “Wikipedia schlägt Brockhaus”

  1. Nun, das klingt natürlich zunächst mal nicht schlecht: „Wikipedia schlägt Brockhaus“. Aber wie ja in der gestrigen Seminardiskussion auch noch einmal erwähnt, sind bei Wikipedia eben durchaus noch einige Artikel umstritten und überarbeitungsbedürftig. Natürlich sorgt das kollaborative Schreiben einerseits dafür, dass Fehler eliminiert werden (viele Augen sehen bekanntlich mehr), andererseits könnte man natürlich auch sagen, dass, je mehr Leute sich mit einem Thema beschäftigen, desto mehr (subjektive?) Meinungen und vielleicht auch wieder neue Fehler in einen Artikel hineingeraten (à la viele Köche verderben den Brei).

    Bezüglich der Vertrauenswürdigkeit von Wikipedia hier und dem Brockhaus dort zeigt eine solche Studie meiner Meinung nach einmal mehr, dass man sich (wenn irgend möglich) nicht nur auf eine Quelle verlassen sollte, sondern wichtige Daten möglichst nachrecherchieren sollte.

  2. lehb2c01 sagte

    Naja, die Argumentation, dass mehr Leute mehr Fehler begehen können, würde ja im Umkehrschluss bedeuten, dass die besten Einträge von einem oder wenigen kommen.

  3. Ok, klar, wenn man es so sieht, wäre dies wohl der Umkehrschluss meiner aussagen – so meine ich es jedoch nicht. Das von mir benutzte Wort „Fehler“ ist hier wohl der falsche Ausdruck. Vielleicht sollte man sich also eher auf die verschiedenen Meinungen beziehen, die sich beim kollaborativen Schreiben in Wikipedia mitunter anhäufen. Und gerade bei umstrittenen Themen – wie etwa eurem Beispiel mit der NPD – könnte ich mir vorstellen, ist man sich als Nutzer unsicher, wie glaubhaft ein entsprechender Artikel, an dem viele Autoren mitgeschrieben haben (und der vielleicht auch noch als „überarbeitungswürdig“ o.ä. markiert ist) denn wirklich ist. Hingegen würde ich Nutzer-Unsicherheiten hinsichtlich Artikeln im Brockhaus o.ä. eher niedriger einschätzen.

  4. [...] heute bin ich über denWeblog des Seminars “Netzwerkkommunikation”, das ich zur Zeit an der Universität Trier besuche, auf einen Artikel gestoßen, der [...]

  5. lehb2c01 sagte

    Ich sehe das eher so, dass die „Schwarmintelligenz“ der Intelligenz eines Einzelnen/einiger Weniger in den meisten Fällen überlegen ist (siehe oben link zu MediaStar). Die geringere Wahrnehmung von „Unsicherheit“ beim Brockhaus ist auf seine über lange Jahre gewachsene Reputation zurückzuführen (und natürlich seine durchweg hohe Qualität). Wenn der Brockhaus öffentlich zugänglich wäre für Bearbeitungen wären viele Artikel ebenso mit dem Tag „überarbeitungsbedürftig“ versehen, einfach aus dem Grund, dass ein Thema nie in seiner realweltlichen Gesamtheit dargestellt werden kann. Ich denke, mit der Zeit wird sich durch die regulierte Praxis der Wikipedia ein annähernd ähnliches Vertauensverhältnis einstellen.

  6. Ole Weigmann sagte

    Die Süddeutsche hat heute ein interessantes Interview mit einem der Administratoren veröffentlicht, in dem einige der in der vergangenen Seminarssitzung diskutierten Themen zur Sprache kommen.

    http://www.sueddeutsche.de/computer/artikel/298/146956/

  7. Infidel sagte

    Objektive Untersuchung?

    - Der Leiter der WIND GmbH, Ulrich Kämper, sitzt im Vorstand der Gesellschaft AKI Rheinland-Pfalz, die bereits auf ihrer Einstiegsseite zur Wikipedia verlinkt.

    - Der Journalist Ulf Schönert, einer der beiden Autoren des aktuellen Vergleiches, verfaßte bereits 2005 einen Artikel mit dem Titel „Mitschreiben, bitte! Paradies für Klugscheißer oder größtes Wissensprojekt der Menschheit? Das Internetlexikon Wikipedia ist beides – und es wird täglich besser“ (Ausgabe vom 25.8.2005, S. 146-148).

    Daneben ist bei beiden Herren sehr augenscheinlich, daß sie äußerstes Interesse an Datenverbreitung per Internet haben und diese anscheinend nach Möglichkeit als qualitativ hochwertig darstellen möchten.

    Herr Schönert hält z.B. Vorträge mit dem Titel „Dem Online-Journalismus gehört die Zukunft“, Herrn Kämpers WIND GmbH nennt als einen ihrer Interessenschwerpunkte die Beschaffung von „Fachinformation aus dem Internet“.

  8. [...] heute bin ich über denWeblog des Seminars “Netzwerkkommunikation”, das ich zur Zeit an der Universität Trier besuche, auf einen Artikel gestoßen, der Wikipedia [...]

  9. Philipp sagte

    Ein Kette ist immer nur so stark wie Ihr schwächstes Glied.

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